Deutsche Gesellschaft für Elektrostimulation und Elektrotherapie e.V. (GESET) [www.geset.de]

Inhalt der ZEE 1/2001

 

 


Biofeedback bei zentralen und peripheren Paresen

W. Schupp, K.-H. Spath
Abteilung Neurologie/Neuropsychologie, Fachklinik Herzogenaurach

Zusammenfassung

Beim Einsatz von Biofeedback-Methoden erhalten Patient und Therapeut Rückmeldung über aktuelle biologische Vorgänge im Körper (z. B. neuromuskuläre Aktivität im untersuchten Muskel bei EMG-Biofeedback). Die exakte und zeitnahe Rückmeldung kann ganz entscheidend Lernprozesse fördern und differenzieren. Diese Arbeit präsentiert eine Übersicht über Anwendung von Biofeedback-Methoden bei zentralen und peripheren Paresen und eigene Erfahrungen und Vorgehensweisen. Therapieziele bei zentralen Paresen können Kontrolle eines spastischen Tonus, Aufbau einer Willküraktivität oder Anbahnung alternierender Innervation zwischen Agonist und Antagonist sein, bei letzterer Indikation muß dann zumindest eine zweikanalige Ableitung erfolgen. Allerdings besteht bei zentralen Paresen bisher das noch nicht gut gelöste Problem, daß die unter Biofeedback-Behandlung erreichten Therapieziele nur erschwert ohne Biosignalkontrolle in den Alltag transferiert werden können.
Bei peripheren Paresen kann mit EMG-Biofeedback-Behandlung begonnen werden, wenn eben gerade Reinnervation nachgewiesen wird. In diesem Stadium ist eine Muskelaktivität noch kaum zuverlässig sicht- oder tastbar. Unter EMG-Biofeedback-Training lernt der Patient, diese frühe Innervation kontrolliert zu reproduzieren, um dann bei fortschreitender Reinnervation diese Aktivität auch gleich funktionell zu nutzen. Bei peripheren Fazialisparesen können andererseits durch Erlernen differenzierter Innervationsmuster Synkymien durchbrochen werden. In unserer und anderer langjährigen Erfahrung hat sich gezeigt, daß in diesem frühen Stadium der Reinnveration der entsprechende Muskel auch sehr empfindlich auf jegliche Überbeanspruchung reagiert und dann oft über Tage minderaktivierbar ist. Durch spezielle Trainingsbedingungen unter EMG-Biofeedback, die dargestellt werden, kann diese Überbeanspruchung und nachfolgende Aktivitätsminderung vermieden werden. Gleichzeitig wird aber auch vermieden, daß »gelernter Nichtgebrauch« eintritt. Insgesamt wird insbesondere der Stellenwert von EMG-Biofeedback für spezifische Probleme bei zentralen und peripheren Paresen als additives Verfahren im Rahmen der ganzheitlichen (physio)therapeutischen neurorehabilitativen Behandlung herausgestellt.

 

Schlüsselwörter: Biofeedback-Verfahren, EMG-Biofeedback, Schlaganfall, zentrale Lähmungen, Neuropathie, periphere Lähmungen, Übersichtsarbeit
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Praxisrelevante Meßvorrichtung zur Therapieobjektivierung der Elektrostimulation nach Eingriffen am Kniegelenk

M. Thomas, A. Dippold, U. Schirmer
Orthopädische Klinik und Poliklinik der Universität Leipzig

Zusammenfassung

Die Elektromyostimulation ist ein wesentlicher Bestandteil der muskulären Stabilisierung nach Eingriffen am Kniegelenk. Durch eine therapiebegleitende Kraftmessung kann die Effektivität einer postoperativen Elektromyostimulation objektiviert werden. Es wird eine praxisrelevante Methode der Kraftmessung nach Eingriffen am Kniegelenk vorgestellt. Die entwickelte Meßvorrichtung eignet sich zur Bestimmung der isometrischen Maximalkraft (IMK) der Extensoren des Kniegelenkes. Es erfolgt ein Vergleich zwischen erkrankter und gesunder Extremität mit Angabe der gemessenen Seitendifferenz in Prozent. Bei 26 Patienten (12 männlich, 14 weiblich) wurde prä- und postoperativ (10.–20. Tag, 3.–4. Woche, 6.–8. Woche) die IMK der Knieextensoren im Seitenvergleich gemessen. Bei allen Patienten erfolgte die postoperative muskuläre Stabilisierung mit einem standardisierten Rehabilitationsprogramm unter Anwendung der Elektromechanotherapie nach Dippold. Bereits präoperativ bestand eine Seitendifferenz der IMK von durchschnittlich 20%. Die erste postoperative Messung (10.–20. Tag) ergab eine signifikante Zunahme auf 30%. Im weiteren Verlauf der postoperativen muskulären Stabilisierung mit standardisierter Elektromyostimulation (microstim®-Gerät) konnte die Seitendifferenz signifikant verringert werden. Bei 18 von 26 Patienten wurde 6 bis 8 Wochen nach Kniegelenksoperation eine nahezu seitengleiche Kraft der Knieextensoren gemessen. Mit der vorgestellten Meßvorrichtung ist eine therapiebegleitende Quantifizierung der muskulären Stabilisierung im Verlauf der Rehabilitation durch reproduzierbare Meßwerte möglich. Das Therapieziel besteht in der Beseitigung der meßbaren Seitendifferenz der IMK der Knieextensoren. Kurze Meßzeiten und eine leichte Bedienbarkeit ermöglichen eine routinemäßige Anwendung.

 

Schlüsselwörter: Kniegelenk, Kraftmessung, isometrische Maximalkraft, Elektromyostimulation
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Elektroneuraldiagnostik und –therapie auf orthopädischem Gebiet

H. Gehm
Private Praxis, Linden

Zusammenfassung

Die Elektroneuraldiagnostik und -therapie bietet ein großes Leistungsspektrum. In diesem Beitrag wird ein Aspekt aus dem orthopädischen Fachbereich beleuchtet. Die Elektrostimulation von Bandscheibenvorfällen stellt eine erfolgreiche konservative Behandlungsmöglichkeit dar. Sie ist ein nebenwirkungsarmes und schmerzfreies ganzheitliches Regulationsverfahren.

 

Schlüsselwörter: Elektroneuraltherapie, Bandscheibenvorfall, Elektrostimulation, ganzheitliche Regulation
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Die Photobiostimulation des Softlasers als Grundlage für die Lasertherapie

W. Bringmann
Berlin

Zusammenfassung

Ausgehend von der Einstein’schen Hypothese der stimulierten Emission wurden zahlreiche biostimulatorische Untersuchungen zur Untermauerung der Laserwirkung in der Therapie durchgeführt.
Allgemein anerkannt sind die zellulären, gewebereparativen, antiphlogistischen, antiödematösen und analgetischen Wirkmechanismen.
Die laserbiostimulatorischen Wirkungen werden bei 168 Probanden an Hand von ausgewählten Untersuchungen (Ulcus cruris, Achillodynie, Sprunggelenkskontusion, Lumboischialgie) dokumentiert. Es zeigt sich generell ein positiver therapeutischer Effekt gegenüber den vergleichenden Behandlungsmethoden. Die spezifischen pathophysiologischen Prozesse werden diskutiert.
In den Schlußfolgerungen wird die große therapeutische Breite, die geringe Nebenwirkungsrate (1–5%) und die niedrige Non-Responderrate (10–30%) hervorgehoben.

 

Schlüsselwörter: Softlaser, therapeutische Wirkung, Biostimulation, Indikationen
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